Der Bordeaux-Finanz-Indikator

Im Hinblick auf die euphorischen Wein- und Aktienmärkte wurden wir von interessierter Seite angefragt, inwieweit die Spekulation bei den Primeur Bordeaux Verkäufen als Stimmungsbarometer und vielleicht auch als Prognoseinstrument für zukünftige Aktienkurse verwendet werden könnte. Als Liebhaber von guten Weinen fühlten wir uns angesprochen und haben für die Periode von 1970 bis 2005 eine relativ breite Untersuchungsreihe angelegt. Die Aufgabe stellte sich herauszufinden, inwieweit sich Subskriptionspreise und  Aktienkurse miteinander bewegen - und ob die Stimmung unter den Weinliebhabern eine Fortsetzung an der Aktienbörse findet.


Der Bordeaux-Wein-Indikator

Im Vorfeld und während der eigentlichen Subskription eruiert der Weinhändler (Courtier, Negociant) aufgrund der Stimmung bei seinen Stammkunden, welche Menge Bordeaux er für welchen Preis einkaufen soll. Ist die allgemeine Stimmung gut, wird der Weinliebhaber auch bereit sein, einen höheren Preis für das Luxusgut Bordeaux zu bezahlen und umgekehrt. Die traditionellen Konsumenten von Luxusweinen besitzen häufig grössere Aktienportefeuilles und repräsentieren auf diese Weise indirekt die Stimmung eines Kollektivs von Personen, welche sowohl die Subskriptionspreise als auch die Aktienkurse beeinflussen.

Folgende Parameter wurden in die Untersuchung miteinbezogen:

  • Veränderungen der Subskriptionspreise zwischen 1970-2005. Weinauswahl: Pichon-Lalande, Château Margaux, Léoville-Las Cases, Cheval-Blanc, La Mission Haut-Brion. 
  • Veränderungen der Weinqualität 
  • AOC-Produktionsmengen und AOC-Lagerbestände 
  • Währungs- und Zinsniveauveränderungen 

Als Vergleichsgrösse wurde ein international diversifiziertes Aktienportefeuille festgelegt, welches die Nationalitäten der Käufer- und Konsumentengruppen repliziert.

Die Entwicklung der Weinpreise wird gleichermassen wie die Aktienbörse von der Marktpsychologie beeinflusst. In diesem Zusammenhang kann die Frage gestellt werden, ob die Nachfrage nach Wein auch den Optimismus an der Aktienbörse widerspiegelt. Findet der Wein-Optimismus bzw. der Wein-Pessimismus seine Fortsetzung an der Aktienbörse?

Wie an der Aktienbörse gibt es auch beim Verkauf von Weinen keinen allgemeingültigen Indikator, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Zukunft der Preisentwicklung voraussagen kann. Gut abgeschnitten haben die Prognoseresultate der Weine, wenn sowohl der Weinpreis als auch die Aktienbörse nach unten korrigiert haben. In diesen Fällen ist der Weinpreis einem nachträglichen Anstieg der Aktien häufig vorangegangen.

Der Weinpreis ist gut im Anzeigen der optimistischen Stimmung in beiden Märkten. Als Indikator für sinkende Kurse an den Aktienmärkten eignet sich der Indikator nicht.

Das Sammeln von ausgezeichneten Bordeaux-Weinjahrgängen hat in der Vergangenheit zeitweise phänomenale Renditen hervorgebracht. Aufgrund der Analyseresultate der mehr als dreissig Jahre Wein- und Aktiengeschichte haben wir dazu einige Eigenheiten dieses illiquiden Marktes und einige Tipps für den Weinspekulanten zusammengestellt.

 
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